Restaurierung der historischen Wandmalereien

Interview mit Diplom Restauratorin Uta Riecke

Seit Mitte Januar restauriert Fr. Riecke die Nordwand des Chorraumes in der Minfelder Kirche. Sie hat bereits in den vergangenen Jahren die Süd- und Westwand restauriert.

Guten Tag Frau Riecke, vielen Dank das sie sich für einige Fragen Zeit nehmen. Zunächst die Frage vorneweg, wie sind Sie eigentlich Restauratorin geworden?

Nach dem Abitur habe ich eine Ausbildung zur Kirchenmalerin und anschließend ein zweijähriges Praktikum in einer Kölner Restaurierungswerkstatt absolviert, die sich auf Wandgemälde spezialisiert hatte. Für das Studium der Restaurierungswissenschaften in Köln musste man damals wegen des großen Andrangs eine Eignungsprüfung in den Fächern Kunstgeschichte, Zeichnen, Chemie und Restaurierungstechniken gut bestehen. Das Studium dauerte anschließend 5 Jahre. 

Was fasziniert Sie an dem Beruf Restauratorin

Mich fasziniert das Arbeiten an besonderen Kunstwerken in historischen Gebäuden oder an besonderen Orten. Mir liegt das handwerkliche Arbeiten und ich freue mich über die Möglichkeit, Wandgemälde zu erhalten.

Wie oft waren Sie schon in Minfeld und der Pfalz zum restaurieren

Seit 2006 arbeite ich immer wieder in der Südpfalz, z.B. in Minfeld, Wachenheim, Mußbach und Landau. 

Wo arbeiten Sie sonst

Sonst arbeite ich hauptsächlich an Wandgemälden und Skulpturen im Kölner Dom, restaurierte aber auch schon in Salzburg, Berlin, Aachen, Schweden und Jerusalem.

Wann haben Sie mit den Restaurierungsarbeiten in Minfeld begonnen (welche Etappen gab es bereits?)

Von 2006-2009 arbeitete ich an der Westwand des Chores an den Szenen aus dem neuen Testament von 1250 und am heiligen Martin. Von 2012-2015 restaurierte ich die Südwand mit Aposteln und Propheten von 1500. Seit Januar arbeiten eine Kollegin und ich an der Nordwand. Die Malereifragmente dort stammen auch aus der Zeit um 1500.

Gab es Probleme bei der Freilegung (welche) 

Vermutlich sind  die Malereien wenige Jahre nach Einführung der Reformation in Minfeld überstrichen worden. Dafür wurden bereits erste Malereipartien abgekratzt. Später folgten viele weitere Anstriche. Im 19. Jahrhundert wurde die gesamte Wand mit unzähligen Hacklöchern beschädigt, zwei große Risse mit Ziegelsteinen ausgefüllt und ein mehrere zentimeterdicker Putz aufgebracht. 

Bei der aktuellen Freilegung zeigte sich, dass die Malereireste unter diesen vielen Schichten sehr fragil sind und nur sehr mühsam und vorsichtig freigelegt werden können.

Was war die bislang größte Überraschung für sie in der Minfelder Kirche

Dass die Malereien mit den Aposteln auf der Südwand nach der Restaurierung noch viel besser lesbar wurden, als zuvor gedacht. Und natürlich haben mich vor 20 Jahren bereits am ersten Tag die besonders alten und kostbaren Wandmalereien auf der Westwand des Chores begeistert, obwohl sie damals noch unter einer sehr dunklen Kunstharzschicht lagen.

Was wurde bei der aktuellen Freilegung gefunden

Ein Prophet mit Spruchband, ein Engel und mehrere Heiligenscheine. 

Was passiert nach der Freilegung

Die riesigen Ausbrüche im Bereich der großen Risse und unzählige Hacklöcher müssen mit Kalkmörtel geschlossen werden. Anschließend werden diese Bereiche retuschiert. Die übrigen Wandflächen werden hell gestrichen.

Was ist ihre Lieblingsmalerei in Minfeld

Die Versuchung Christi auf dem Tempeldach. Christus weist den Teufel mit eleganter Handbewegung ab. Der Teufel ist sehr aufgeregt, spuckt beim Reden, soll besonders böse wirken und hat deshalb an seiner langen Nase drei einzelne schwarze Haare.

Was ist der Plan für das kommende Jahr

Die Ostwand des Chores zeigt auch Malereireste (leider sehr wenige) und soll ebenfalls restauriert werden.

Vielen Dank für das Interview!